Für Ärztinnen, Hebammen und Prüfinstanzen
Die vollständige Spezifikation — Erfassungsparameter, Algorithmus im Wortlaut, Evidenzbasis,
Geltungsbereich und Prüfverfahren. Alle Schwellenwerte entsprechen dem ausgelieferten Stand;
sie sind hier nicht vereinfacht.
Erfassungsparameter und Auflösung
Basaltemperatur 35,0–40,0 °C im 0,05-Raster · Blutung vier Stärken plus „Keine" ·
Zervixschleim 4-stufig nach Qualität · Muttermund 3-stufig (optional, ab Werk aus) ·
Ruhepuls 40–160 bpm (optional, ab Werk aus) · 15 Symptome, davon zwei
(Hitzewallung, Nachtschweiß) mit optionaler Tages-Stufe mild/mittel/schwer · Freitext.
Fehlende Felder werden als fehlend geführt, nicht als Nullwert. Verkehr ist erfassbar, geht
aber in keine Berechnung ein.
Der Algorithmus im Wortlaut
Zyklussegmentierung — Tag 1 = Blutung ≥ leicht, Mindestabstand
15 Tage, Blutungsdauer.
Ovulationsbestätigung — Coverline über sechs Tiefmessungen, 3 darüber mit
≥ 0,2 °C, Ersatzkriterium vierte Messung, Ovulationstag, Schleimhöhepunkt,
Fensterränder.
Statistik — Median der Zykluslänge über die ganze
Historie, Spannweite/Streuung gefenstert auf die letzten 6 abgeschlossenen
Zyklen, Lutealphase als Median über die belegten Ovulationen — ohne
Mindestzahl, ab der ersten.
Prognose — Periodentermin, Ovulationspunkt, Rangfolge, Fensterformeln.
Konfidenzstufen — fünf: Ø-Wert · breit · mittel · eng ·
kein Fenster ab gefensterter Streuung ≥ 14 Tagen — der eine Zustand,
in dem kein Punkt prognostiziert wird; ein bereits gemessenes Fenster bleibt davon
unberührt.
Symptom-Phasen-Auszählung — Fenster: die letzten 6 abgeschlossenen Zyklen,
identisch mit dem Streuungsfenster; ≥ 3 Beleg-Tage, 50–75 % Tendenz, ab 75 %
Muster, max. 3; die Tages-Ebene entscheidet, ob ein Muster gilt,
angezeigt wird die Zyklus-Deckung als Bruch mit gedeckeltem Nenner; je
Zyklus drei Zustände — getroffen, erfasst und nicht dabei, unerfasst; ohne abgeschlossenen
Zyklus kein Nenner und damit keine Bestätigung.
Gegenstimmen in den Leitlinien — und die Antwort darauf
Drei Leitliniengeber bewerten die Basaltemperatur als Instrument zur Ovulationsbestätigung
zurückhaltend bis ablehnend. Sie stehen hier im Wortlaut: Eine Spezifikation, die den
Gegenbefund auslässt, ist keine Spezifikation.
-
NICE NG257, Fertility problems: assessment and treatment (NICE
guideline, veröffentlicht 31.03.2026), Empfehlung 1.18.9:
„Do not use basal body temperature charts to confirm ovulation because
they do not reliably predict ovulation." — Kennzeichnung [2004], im Update 2026
unverändert übernommen.
-
Practice Committee of the ASRM, Fertility evaluation of infertile
women: a committee opinion, Fertil Steril 116(5), 1255–1265 (2021):
„Serial, daily basal body temperature (BBT) testing is an inexpensive,
although often unreliable, method of predicting ovarian function." …
„Given the tedious nature of the testing and its lack of accuracy, this
test is not routinely recommended today, especially when the menstrual history is
consistent with ovulatory cycles."
-
ESHRE, Evidence-based guideline: Unexplained Infertility
(2023): Für die Basaltemperatur gegen sonografische Follikelkontrolle als
Referenzstandard Sensitivität 77 %, Spezifität 33 %, Genauigkeit
74 % (Guermandi et al. 2001, 101 Frauen mit regelmäßigem Zyklus).
Empfehlung: Tests zur Ovulationsbestätigung sind bei regelmäßigem Zyklus nicht
routinemäßig angezeigt; wo eine Bestätigung angezeigt ist, nennt die Leitlinie
LH-Urintest, Sonografie und Mittelluteal-Progesteron — die Basaltemperatur nicht.
Die Antwort, in fünf Punkten:
-
Der Gegenstand ist ein anderer. Alle drei bewerten die Basaltemperatur
als diagnostisches Instrument in der Infertilitätsabklärung — als Ersatz für
Sonografie, LH-Test oder Progesteronbestimmung. Takt ersetzt keines dieser Verfahren und
tritt in keine Abklärung ein: Es dokumentiert eine Auswertung, die die Nutzerin nach
derselben publizierten Regel selbst vornehmen könnte.
-
Die Physiologie ist nicht bestritten. Keine der drei Stellen widerspricht
dem biphasischen Verlauf; ASRM 2021 hält ihn ausdrücklich fest
(„Ovulatory cycles are generally associated with biphasic BBT
recordings"). Bestritten wird die Verlässlichkeit als Nachweis, nicht das
Muster.
-
Der Vorbehalt gilt der Bestätigung — und genau dort setzt Takts Stufenleiter
an. Ein Temperaturanstieg allein ergibt in Takt die Stufe
wahrscheinlich, nicht bestätigt; „bestätigt" ist der
Doppelkontrolle aus Temperatur und Zervixschleim-Höhepunkt vorbehalten. Die Stufenwörter
entstehen an genau einer Stelle im Quelltext (
lib/model/evidenz.dart), nicht
an jeder Fläche neu. Zwei maschinelle Wächter sichern das ab: Ein Wortschatz-Test hält
gesperrte Begriffe über den gesamten Textbestand draußen, und eine zustandsabhängige
Prüfung fordert für „bestätigt" zusätzlich einen belegten Eisprung — dort, wo Takt seine
Sätze zur Laufzeit zusammensetzt. Der Vorbehalt trifft
damit eine Aussage, die Takt aus einem Zeichen nicht erhebt.
-
Die Sensitivitätslücke ist der Grund für eine feste Regel. Ein Teil
ovulatorischer Zyklen zeigt keine deutlich biphasische Kurve — ASRM 2021:
„Some ovulatory women cannot document clearly biphasic BBT
patterns"; quantifiziert bei Moghissi 1976 (Fertil Steril 27(12), 1415–1421) mit
„approximately 20 % of ovulatory cycles" an 30 Frauen, je
ein Zyklus. Folge im Produkt: Eine nicht erfüllte Regel ist kein Befund.
Takt sagt „noch nicht belegt" und nie „kein Eisprung" — eine Aussage
über eine ausgebliebene Ovulation wäre ein pathologischer Befund und ist ausgeschlossen.
-
Takt leitet aus alledem keine Genauigkeitsaussage über sich selbst ab.
Angegeben wird die berechnete Fensterbreite, nie eine Trefferquote — und die Beleg-Stufe,
auf der eine Aussage steht.
Was daraus nicht folgt: Diese Antwort begründet Takts Wortwahl und seine
Beleg-Stufen — keine Eignung zur Empfängnisverhütung und keine zur Abklärung von
Zyklusstörungen. Für beides ist Takt nicht vorgesehen (siehe
„Was Takt nicht ist"). Die genannten Zahlen beschreiben die
Methode in einer klinischen Population, nicht das Produkt.
Evidenzbasis — implementiert und bewusst nicht implementiert
Die vier tragenden Quellen mit ihrer jeweiligen Funktion stehen vollständig unter
„Worauf die Regeln beruhen".
Gesichtet, aber nicht implementiert: Shi et al. 2026, Wang et al. 2025 und
Thigpen et al. 2025 zur Wearable-Sensorik. Takt implementiert diese Verfahren nicht und
stützt sich deshalb auf keine ihrer Zahlen. Zwei Einschränkungen dieser Literatur kommen
hinzu: retrospektiv ermittelte Fehlerspannen sowie Herstellerfinanzierung und LH statt
Sonografie als Referenz.
Warum Takt keine eigene Genauigkeitszahl nennt: Es liegt keine prospektive
Validierung vor. Angegeben wird die berechnete Fensterbreite, nicht eine
Trefferquote.
Geltungsbereich und Grenzen der Spezifikation
Die Bestätigung ist retrospektiv · eine bestätigte Ovulation verankert den laufenden
Periodentermin nicht · es gibt keine automatische Ausreißerbehandlung · unregelmäßige
Zyklen (Yu et al. 2022: Sensitivität 69 % bei regelmäßigen, 21 % bei
unregelmäßigen Zyklen) · kein Ersatz für ärztliche Beurteilung.
Geltungsbereich der Auswerteregel. Die symptothermale Regel und die daraus
abgeleitete Statistik sind für Zyklen im reproduktiven Normbereich ohne hormonelle
Verhütung untersucht. Für Adoleszenz, Perimenopause, postpartale Zyklen, PCOS,
Schilddrüsenfunktionsstörungen und für Zyklen unter hormoneller Verhütung
liegt keine Untersuchung der Regel vor — für die Perimenopause ist das eine
Evidenz-, keine Recherchelücke: Eine quantifizierte Untersuchung der symptothermalen
Methode in dieser Phase existiert nicht, und die Methodenentwickler führen sie selbst als
„besondere Situation", die Instruktor-Begleitung statt automatischer Regelanwendung
verlangt. Takt wendet die Regel dort unverändert an und kennt keine Sonderfall-Erkennung.
Erfassung, Verlauf und Arztbericht sind davon nicht berührt — sie setzen
die Regel nicht voraus.
Was Takt in diesen Phasen leistet, ist Dokumentation und Darstellung:
Zeichen und Symptome erfassen, ihren Verlauf zeigen, das Material für die Sprechstunde
aufbereiten. Eine Stadien-Einordnung, eine Bewertung des Schweregrads oder eine Prognose des
Übergangs nimmt Takt nicht vor — nicht, weil die Daten fehlen, sondern
weil es nicht der Zweck ist.
Reproduzierbarkeit und Prüfverfahren
Reine Funktion ohne Zufall, ohne Netz, ohne serverseitiges Regel-Update · Personas über den
ganzen Lebensbogen · Wortschatzprüfung · Aussagen-Katalog · 75 Norm-Vektoren gegen externe
Leitlinien (AWMF/Sensiplan, FIGO) · 20 eingefrorene Schemaversionen · Sperre gegen Änderung
der Rechenlogik ohne synchronen Test- und Erklärtext-Abgleich.
Dies ist kein zertifiziertes QMS nach ISO 13485 — für ein Produkt
außerhalb der MDR ist ein solches nicht vorgesehen.
Der Arztbericht im Detail
Kopfzeile · FIGO-Normbereiche mit Corrigendum 2019 (Zykluslänge
24–38 T, < 24 frequent / > 38 infrequent · Schwankung
≤ 7 T bei 26–41 Jahren, ≤ 9 T bei 18–25 und
42–45 Jahren · Blutungsdauer ≤ 8 T · Blutungsstärke qualitativ,
keine mL-Schwelle) · Spannweite statt Mittelwert · Logik des
zusammenfassenden Satzes · Messabdeckung, Zeitbezug („biphasisch · in 4 von 5 Zyklen") und
Rohprotokoll als Beleg jeder Angabe.
Altersstaffelung. Takt fragt den Jahrgang ab und wählt danach die
FIGO-Schwelle (≤ 7 Tage bei 26–41 Jahren, ≤ 9 bei 18–25 und 42–45). Ohne Jahrgang
wird die Achse gezeigt, aber nicht bewertet, statt gegen die laxere Grenze zu prüfen.
Warum ein Jahr und kein Datum genügt, erklärt die App im Blatt
„Warum Takt nach deinem Jahrgang fragt".
Das Corrigendum 2019 berichtigt die vertauschten Kategorien „frequent"/„infrequent" und die
Irregularitätsschwelle.